monatsandacht


Andacht August 2022

 

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.
1. Chr. 16, 33; Einheitsübersetzung

 

Quelle: Kirchenbezirk Konstanz
Pfarrer Thomas Hilsberg
Jubelnde Bäume? Ich habe Bäume rauschen gehört. Gejubelt hat noch keiner. Im Frühjahr hört man es aus den Bäumen jubeln: Die Singvögel jubilieren in den Baumkronen. Aber ihr Gesang wird jedes Jahr leiser. Viele Vogelarten befinden sich auf dem absteigenden Ast. Es ist schwer geworden, irgendwo noch einen Pirol zu hören. Offensichtlich droht, von Rachel Carson schon vor Jahrzehnten angesagt, der stumme Frühling.
Und auch die Bäume selbst haben wenig Grund zum Jubeln. Bei uns sterben gerade die Fichten. Überall schauen ihre bleichenden Gerippe aus den Grün. All das illustriert, was Paulus schreibt: Die ganze Schöpfung sehnt sich nach Erlösung.
Jubeln werden die Bäume, wenn die Erlösung kommt. Wenn der Herr kommt, um die Erde zu richten. In der Sprache des Neuen Testaments: Wenn Christus wiederkommt. Und mit ihm der neue Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Dann hat die ganze Schöpfung allen Grund zu lautstarkem Gotteslob.
Allerdings: Jubelnde Baume? Das ist die Sprache des Dichters, hier in diesem Psalm außerhalb des Psalmenbuches. Das ist ein Bild, das man natürlich nicht wörtlich nehmen darf. So wie das verliebte Versprechen, für den Anderen die Sterne vom Himmel zu holen. Natürlich wird niemand die Einhaltung dieser Ankündigung tatsächlich einfordern. Aber wir alle verstehen, was damit gemeint ist, und freuen uns darüber.
Und das gilt auch für die jauchzenden Bäume. Wir alle wissen: Sprechende oder im Wald herumlaufende Bäume, das gibt es nur in der Dichtung. Bei Tolkien oder C.S. Lewis. Das war mir auch immer klar, jahrzehntelang. Bis mir im Regenwald von Costa Rica mal eine Wanderpalme begegnet ist. Gut, dieser Baum läuft nicht sehr schnell. Etwa einen halben Meter im Jahr. Aber immerhin! Wenn er mehr Licht braucht, tritt er ein paar Schritte zur Seite. Das macht er, indem er an der Schattenseite seine Stelzwurzeln absterben lässt, und an der Sonnenseite neue in die Erde senkt. Ein laufender Baum: Wieder was gelernt!
Und wenn der Herr kommt, sollen die Baume des Waldes vor ihm jubeln. Lassen wir uns überraschen!
Pfarrer Thomas Hilsberg

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