monatsandacht


Andacht August

 

„Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Gott, deine Augen und sieh her!“ (2. Kön 19, 16)

 

Quelle: Kirchenbezirk Konstanz
„Wir haben einfach zugehört; wir sind durch die Straßen gelaufen, ach was, gewatet, und haben den Menschen zugehört.“ Dies erzählt eine Seelsorgerin die im vom Hochwasser getroffenen Ahrtal arbeitet. Und sie macht die Erfahrung, dass es gerade das Zuhören und Aushalten ist, was den Betroffenen hilft. Keine Ratschläge, keine frommen Sprüche. Der Monatsspruch für den August bittet Gott darum, dass er unsere Not sieht und hört. Nicht mehr und nicht weniger. Was geschieht, wenn mir jemand intensiv zuhört? Wenn er „sein Ohr neigt“, „seine Augen öffnet“ - wie es unser Bibelvers ausdrückt? Zum einen spüre ich, dass ich dem anderen nicht gleichgültig bin. Jemand nimmt Anteil an dem, was mich beschäftigt und bewegt. Ich erfahre Verbundenheit, Wertschätzung. Darüber hinaus hilft mir das Aussprechen meiner Sorgen oft auch, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Zu spüren, wo der Kern eines Problems liegt, wie ich am besten damit umgehen kann. Zuhören. Hinschauen. Das kann viel in Bewegung setzen! In unserem Bibelwort ist es  Hiskia, der Gott inständig darum bittet, dass er wahrnimmt, in welcher schwierigen Lage er sich gerade befindet. Hiskia ist um 700 v.Chr. König von Juda. Es ist die Zeit, in der die mächtigen Assyrer das kleine Juda immer wieder bedrohen. Und nun lagert das Heer mit dem assyrischen König Sanherib vor den Toren Jerusalems. Hiskia steht sozusagen mit dem Rücken zur Wand, er weiß nicht mehr, was er noch tun soll, um sich vor Sanherib zu schützen. Doch selbst in dieser aussichtslosen Situation hält der König an seinem Gottvertrauen fest. Er geht in den Tempel und schüttet Gott sein Herz aus. „Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!“ Gott als Zuflucht, als Fluchtpunkt, der über die Verzweiflung hinausweist. Hiskia hat es geschafft, sich in Bewegung zu setzen, sich von seiner Angst nicht völlig lähmen zu lassen. Das braucht Energie. Auch ich spüre in diesen Zeiten vielleicht mehr als sonst: Vertrauen braucht Energie. Auf der einen Seite ist es ein Geschenk, wenn ich anderen, wenn ich Gott vertrauen kann. Auf der anderen Seite braucht es auch Seelenkraft, braucht es die aktive Suche nach „Fluchtpunkten“, die über die Situation hinausweisen - nach Dingen, die meine Hoffnung nähren, nach Menschen, die Halt geben, nach Gott! Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen solche Seelenkraft immer neu zuwächst, und dass Sie auf den Gott vertrauen, der uns hört und sieht!
Andrea Fink-Fauser, Pfarrerin der Luthergemeinde in Singen

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