monatsandacht


Andacht Juli 2020

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 
(1. Könige 19,7)

Man könnte meinen, die Krise sei vorbei. Die Sonne scheint. Der Bodensee lädt zum Baden ein. Nach und nach öffnen die Einrichtungen wieder und wir scheinen in einer neuen Realität angekommen zu sein. Ehrlich gesagt, habe ich auch kaum mehr Lust über Viren und deren Verbreitung nachzudenken – aber ich fürchte, dass uns diese Thematik noch länger beschäftigen wird, als uns lieb ist.

Und dann lesen wir im Monatsspruch von Elia, einem Mann aus dem Ostjordanland, der vor vielen Jahren einen unliebsamen Auftrag von Gott erhalten hatte. Er sollte eine große Dürre für das Königreich Israel ankündigen. Kein Regen – für eine lange Zeit. Die Mehrheit betrachtete dies als Fake-News. Wie konnte man das auch für die Wahrheit halten. Alles Betrug! Aber die Worte Elias erfüllen sich und die Krise breitet sich aus. König Ahab und seine Frau Isebel fordern den Mann Gottes heraus. Und schließlich kommt es auf dem Berg Karmel zu einem Wettstreit der Götter mit einem eindeutigen Etappensieg für Elia (vgl. 1. Könige 18). Die Krise scheint abgewandt zu sein.

Doch dann sind es wenige Worte von Isebel, die Elia in die noch tiefere Krise stürzen. Isebel droht Elia mit Verfolgung und Tod. Ihre Worte verfehlen die Wirkung nicht. Elia, der eben noch Gottes Schutz und Begleitung spürbar erlebt hatte, knickt ein. Er flieht. Er begibt sich in die freiwillige Isolation. Er will nur weg und am liebsten sein Leben ausklingen lassen.

Krisen können unser Leben aus der Bahn werfen. Krisen wirken nicht nur durch die äußerlich wahrnehmbaren Einflüsse. Am schlimmsten wird es, wenn sich in unserem Inneren die Sorgen ausbreiten und dunkle Gedanken an Macht gewinnen. Das beeinflusst unseren Alltag meist mehr, als äußere Einschränkungen.

Elia war auf der Flucht. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Er konnte nichts Gutes mehr in seinem Leben entdecken. Seine Lebensfreude hatte sich aufgelöst und irgendwann döste er unter einem Ginsterbusch ein. Die depressiven Gefühle machten ihn passiv und müde. Es ist erstaunlich, welchen Weg Gott nun wählt, um Elia zu begegnen. Es ist keine gewaltige Erscheinung mit Posaunen und Trompeten. Es ist auch keine Postkarte mit einem himmlischen Motivationsspruch.

Gott sendet einen Engel, der ihn zweimal aus dem Schlaf aufweckt und ihm zuruft: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!“ Um ihn herum liegt duftendes geröstetes Brot und ein Krug mit frischem Wasser. Eine Wohltat mitten im dürren Niemandsland.

Elia braucht ein wenig Zeit, um wieder in Fahrt zu kommen. Und er weiß, dass der Weg, der vor ihm liegt, kein kurzer Spaziergang wird. Aber er wird von Gott gestärkt und weiß, dass Gott die Macht hat, ihm in der Wüste das zu geben, was es dort eigentlich nicht gibt: Wasser und Brot. Gegensätzlicher könnte es nicht sein. Gott schenkt das, was nicht denkbar ist.   

Dieser Gedanke macht mir Mut. Wir wissen alle nicht, wie lange die Krise uns weiter beschäftigen wird. Wir wissen nicht, was noch alles auf uns zukommen wird. Aber eines dürfen wir uns zusagen lassen: Gott schenkt uns alles, was wir brauchen, um den Weg, der vor uns liegt zu bewältigen. Das gilt mir ganz persönlich und das dürfen wir uns auch als Kirchengemeinden zusagen lassen. Also, genug geschlafen. Lasst uns aufstehen und essen, denn es liegt ein weiter Weg vor uns!

Markus Weimer, Pfarrer in Böhringen

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