monatsandacht


Monatsandacht Juli

"Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir."
Die Bibel, Apostelgeschichte 17,27

 

Quelle: Evangelisches Dekanat Konstanz

Gottesferne. Ist diese Frage überhaupt noch ein Gedanke wert? Weshalb an Gott denken, wenn wir Menschen alles im Griff haben? Wir fliegen um die Erde, in der Medizin gibt es einen Fortschritt nach dem anderen, neue Werkstoffe ermöglichen Bauwerke der Superlative. Je weniger der Mensch über Gott nachdenkt, um so weniger muss er sich Sorgen um ihn machen. Auf manche Fragen gibt es keine Antwort, da lässt man einfach das Nachdenken, und damit entschwindet Gott sehr bald in weite Ferne. Es ist Gottes Los in Zeiten der allmächtigen Fähigkeiten des modernen Menschen.

Es braucht schon etwas Kühnheit, in solchen Situationen als glaubender Mensch den Mut zu haben, in Gesprächen darauf hinzuweisen, dass Gott viel größer ist als wir gemeinhin der Ansicht sind. In diesen Wochen wurden und werden in unseren Gemeinden junge Menschen konfirmiert. Sie sind im Glauben zugerüstet worden, viele spannende Fragen und Gedanken über ‚Gott und die Welt‘ wurden in den Zusammentreffen der Jugendlichen in Präsenz oder im Digitalen bedacht. Skepsis und Unsicherheit steht neben Glaubenskraft und Überzeugung. Beides hat seinen Platz, beides besteht nebeneinander. Wir müssen uns Raum lassen für Antworten und unbeantwortbare Fragen.
Der Völkerapostel Paulus ist den gleichen kritischen Stimmen und Spötter begegnet wie wir heute. Damals ging es um auch um Themen hinter den alltäglichen Fragen. Götter oder Gott? Ist Gott den Menschen nahe? So nahe, dass er sogar das Leid aushält? Kann er den Tod überwinden?
Ja! sagte Paulus. Es steht für ihn außer Frage, dass der Mensch sein Leben von Gott erhalten hat und durch Gottes Zuwendung Kraft erfährt, seine Lebensaufgaben zu meistern.
In den vergangenen Monaten haben viele Menschen schlagartig erfahren, dass es auch Grenzen im Leben gibt. Nicht alles war mehr machbar. Gesundheit und Freiheit waren eingeschränkt, bedroht; Alleinsein musste gelernt werden auszuhalten. Glücklicherweise gab es sehr schnell neue Behandlungsmethoden in den Spitälern und die weltweite Krise scheint man langsam in den Griff zu bekommen. Es gibt Lösungen für Fragen an die man vor einem Jahr noch gar nicht dachte.
Bei alle dem Aushalten und Suchen und Forschen und Rücksichtnehmen war es hilfreich, die Botschaft zu hören, dass wir Menschen diese Herausforderungen mit der Gewissheit annehmen können, dass wir Gottes Nähe spüren dürfen. Wer sich mit seinem Leben in Gott aufgehoben weiß, erfährt die Kraft für andere sich einzusetzen, erfährt die Zuversicht, eine Erkrankung zu überstehen, erfährt das Versprechen im Sterben geborgen zu sein, erfährt die Verheißung in Gottes Licht zu leben.
Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben einen schönen Sommermonat voll Gottvertrauen!
Ihr Pfarrer Matthias Stahlmann
Büsingen am Hochrein

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