monatsandacht


Andacht Januar

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen? HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes." Psalm 4, 7
Quelle: Kirchenbezirk Konstanz

"Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Das klingt schon ziemlich zweifelnd, was die Masse sagt. Und im gesamten Psalm wird so auch von Angst geredet, von geschändeter Ehre, von Menschen, die Vergängliches und Eitles lieb haben und gerne lügen. Von Zorn ist die Rede und von den anderen, die viel Wein und Korn haben, während es einem selbst schlecht geht.

Ach ja, da könnte man so richtig trauern und mitjammern! So wie es in Zeiten der Krise auch wortgewaltig seitens von uns als Kirche geschieht. In diesem Ruf sind wir sicherlich aus unterschiedlicher Blickrichtung mit vielen innerhalb und außerhalb der Kirche einig. Aber Kirche hat mehr zu sagen als das Miteinstimmen in die Klage.

„Das halb volle oder halb leere Glas“ hat heute ein Besucher bei mir als Beispiel vor Augen gehabt. In der Krise sehen wir auf das, was nicht mehr geht. Aber gleichzeitig gab es doch auch immer wieder das Staunen gerade jetzt am Ende des Jahres, was dann doch noch stattgefunden hat. Dass es doch  - mit dem Worten des Psalms zu sprechen – doch einiges Gutes zu sehen gab und nicht nur Schlechtes.

Ich jedenfalls war bei unserer Gemeinde im Jahresrückblick und bei den Rückblicken über das Jahr im Fernsehen erstaunt über die vielen Bilder, die gezeigt haben, was es doch an Gutem, Besonderem, Eindrücklichen und Neuem gab: Briefe, Hilfsaktionen, digitale Revolution und online Gottesdienste in verschiedener Form, Hauskreise als Whatsapp Chat, Eglifiguren in Fenstern, Regenbogenbilder in den Kindergärten, Hilfspäckchen, Gemeinde auf der Straße und bei den Menschen.   Wenn wir das auf den ganzen Kirchenbezirk übertragen wird es noch mehr werden, was sich in dieser Zeit verändert hat. Ich persönlich bin wirklich gespannt darauf, was von den Neuerungen bleibt! Nein, wir haben durchaus auch neben alle dem Schlimmen Gutes gesehen.

Aber es geht nun nicht darum, nun nur das Gute zu sehen und das Schlechte ganz auszuklammern. Aber es geht in unserem Monatsspruch darum, dass wir aus einem Jammern hin zu einem gesunden Gebet kommen: Herr lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

Es wurde viel gebetet in diesem Jahr, die Fürbitten waren oft intensiv und innig. Jetzt, wenn wir mehr und mehr Menschen kennen, die direkt betroffen sind, noch authentischer. Wie gut, dass wir mit Gott darüber reden können und nicht dabeibleiben, was die vielen sagen. Jeder weiß, dass das keine Erfolgsgarantie für ein schnelles Ende der Pandemie ist, aber es hat etwas aufgezeigt, was wir in der Kirche in dieser Zeit in besonderer Zeit zu geben haben:

Hoffnung,

dass es Gott gibt und er die Welt und uns in der Hand hält.

Dass nicht das Virus die Welt regiert, sondern ein Gott, der sich gnädig in Jesus Christus gezeigt hat.

Dass wir helfen können.

Dass wir beten können.

Dass es da hinter all dem Dunkel noch die Bitte um das Leuchten des Antlitzes Gottes gibt.   Amen

Dietmar Heydenreich, Diakoniepfarrer in der Südstadtgemeinde Singen

 

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